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Archiv
Biografie
1958 geboren in Saarbrücken
1980 – 86 Hochschule der Künste in Berlin
Klasse für Bildhauerei, Michael Schoenholtz
1980 – 86 Nachwuchsförderstipendium Nafög, Berlin
Studienaufenthalt in der Bretagne
1986 Meisterschülerin der HdK
1987 Kunstpreis Zweibrücken
1989 – 91 Atelierstipendium der Karl – Hofer – Gesellschaft
Arbeitsstipendium des Senats von Berlin
1990 – 91 Stipendium der Eurocreation, Niort /Frankreich
1994 – 2000 Dozentin an der Universität der Künste, Berlin
2003 Lehrauftrag am Archeologischen Institut der Universität
Würzburg
Mitglied des Deutschen Künstlerbundes
lebt und arbeitet in Berlin
Die lange Liste von Ausstellungen und Arbeiten in öffentlichem Besitz hier auf zu zählen, würde den Rahmen sprengen. Ich empfehle in den Katalogen nachzulesen.
Gesamtansicht

Irgendwie geht es mir nicht vollständig glatt über die Lippen, Susanne Specht als Bildhauerin vorzustellen. Obwohl sie eine herausragende, und für mich persönlich von den Bildhauern, die ich bisher kennen lernen durfte, die beeindruckendste ihrer Profession ist. Zum einen ist man dann irritiert über diesen Beruf, wenn man die außerordentlich zart und zerbrechlich wirkende Frau sieht. Zum anderen wirkt das Wort Bildhauer viel zu grobschlächtig für die Art, wie sie mit dem jeweiligen Material arbeitet. Sie wendet natürlich klassische Bearbeitungstechniken der Bildhauerei an, jedoch das Ergebnis lässt diese Arbeitsweise nicht vermuten. Steine werden nicht durch Behauen in eine neue Form gebracht, werden sozusagen nicht verletzt, sondern sensibel bearbeitet. Äußerst subtil wird weiterentwickelt, was die Natur vorgab. Die Verwandlung vom bloßen Rohstoff zum Kunstwerk geschieht so zu sagen minimalinvasiv. Man hat den Eindruck, dass Susanne Specht mit feinem Gespür das Wesen eines Steines durchschaut und durch anteiliges Freilegen des Innenlebens für den Betrachter ein Sichtfenster auf eben dieses Wesen öffnet.

Der relativ weiche, brüchige Alabaster darf seine natürliche Fähigkeit, Licht durch sich durch scheinen zu lassen, gleichsam ausleben. Er behält größtenteils seine natürliche Beschaffenheit. Nur fragmentarisch bearbeitet, lässt er erkennen, dass er in vergangenen Zeiten vielfache Benutzungen, Verwendungen erfahren hat. Die Künstlerin hat für diese Ausstellung im alten Glasmacherort Glashütte diese Alabasterinstallation ausgewählt, weil dieses Material eine gewisse Nähe oder Verwandtschaft zum Werkstoff Glas aufweist. Es wurde früher für ähnliche Zwecke verwendet wie Glas, beispielsweise als Gefäß oder für Kirchenfenster. Ganz besonders zutreffend ist diese Verwandtschaft gerade hier in Glashütte, wurde hier doch Mitte des 19. Jahrhunderts das äußerlich dem Alabaster sehr ähnliche Milchglas erfunden. Damals übrigens wurde es von den Glasmachern Alabasterglas genannt.

2 Wandaugen
Schreine

Die nächste hier gezeigte Werkgruppe sind die Feldsteine. Sie erhalten sorgfältig polierte Einlassungen; Vertiefungen, die mitunter den Eindruck erwecken, etwas Organisches wird unter der rauen Steinoberfläche sichtbar. Würde man die Schale weiter abtragen käme ein Lebewesen zum Vorschein. Oder man glaubt eine archeologische Freilegung längst im Innersten der steinernen Erdschale verschollener Architekturen vor sich zu sehen. Noch nie hat mich der Kontrast zwischen rauem, unscheinbarem, grauschmutzig wirkendem Stein und seiner sorgfältig geglätteten und polierten Oberfläche so in seinen Bann gezogen. Der Eindruck, dass Susanne Specht die Geheimnisse der Steine entdeckt, wird noch dadurch verstärkt, dass abgespaltene Teile des jeweiligen Steines, nachdem die Bruchstelle geglättet und poliert worden ist, wieder passgenau aufgelegt werden, so dass das Innenleben wieder vor unserem allzu aufdringlichen Blick geschützt ist.

Auch in dieser Ausstellung zu sehen ist ein Ausflug der vornehmlich dem Stein verbundenen Künstlerin zu dem Werkstoff Holz. Die klar und einfach wirkenden Holzschreine verwahren im Inneren Geheimnisse, die die Künstlerin nach dem sie sie geschaffen hat, dem Schrein anvertraut. Wir dürfen nur manchmal und nur bruchstückhaft einen Blick darauf erhaschen. Darin ähneln sie den Feldsteinen. Sie werden nicht gezwungen sich uns bloßzulegen. Unsere Neugier wird nicht, wie wir es von der uns heute umgebenden immer aufdringlicher werdenden Informations- und Mediengesellschaft gewöhnt sind, bis auf den letzten Rest befriedigt. So bleibt ausreichend Raum für unsere Fantasie. Gerade durch das Verborgenhalten wird für unser Denken der Weg frei gemacht.

Außerordentlich fasziniert bin ich, da ich zur Grafik die intensivste Beziehung habe, von den Zeichnungen der Künstlerin. Ihr feines Gespür für Formbeziehungen und – kontraste findet hier auf ganz besondere Art Ausdruck in einer ganz eigenen Zeichentechnik, die eine Transformation von Methoden der Steinbearbeitung ist. Man erkennt zum Teil Frottagen oder wird durch die dicht an dicht gesetzten Bleistiftstriche an die Geduld fordernde Arbeit des Steine Polierens erinnert. Schade, dass der Platz im Ausstellungsraum nicht für mehr grafische Blätter gereicht hat.

In einen Bereich der Überlappung und Verzahnung von grafischer und plastischer Arbeit führt uns Susanne Specht mit den Kästen, die filigran geschnittene und mit Nadeln aufgespießte, dadurch raumgreifend gewordene, grafische Gebilde beherbergen. Auch hier werden vielfältige Assoziationen geweckt. Wie in naturwissenschaftlichen Schaukästen, die sonst üblicherweise exotische Insekten oder geologische Fundstücke vorführen, erregen die zarten Papiergebilde unsere Vorstellungskraft und könnten alles Mögliche sein: bisher unbekannt Naturphänomene oder geheime Baupläne.

Ich freue mich, Ihnen hier in der Galerie Packschuppen einen kleinen Einblick in die Kunst der Susanne Specht präsentieren zu dürfen und wünsche Ihnen viel Freude beim Betrachten.

Galerie Packschuppen | Hüttenweg 19 | 15837 Baruth | OT Glashütte | tel 033704 66 0 60
mail@galerie-packschuppen.de