Märkische Allgemeine Zeitung 10.2.2009
Schmelzglas auf Metall
Ausstellung mit Emailarbeiten in der Galerie Packschuppen in Glashütte eröffnet
GLASHÜTTE - Künstlerinnen und Künstler des Gosener Arbeitskreises zeigen im Museumsdorf Glashütte eine breite Palette Emailarbeiten.
„Glas auf Metall“, so der spröde Ausstellungstitel, offensichtlich um Verwechslungen mit elektronischer Post zu vermeiden. Email, ein Begriff französischen Ursprungs, bedeutet Schmelzglas. Beim künstlerischen Email wird ein glasharter, temperatur- und korrosionsbeständiger, meist farbig unterschiedlicher Überzug auf Edelmetall, Kupfer oder Stahl bei Temperaturen von bis zu 1200 Grad aufgeschmolzen. Neben perfektem Handwerk besteht die künstlerische Leistung im Mischen und Auftragen der glasartigen Masse als Brei oder Puder auf den metallenen Grund.
Bekannt ist die Technik, abgesehen von emailliertem Küchengerät, aus der Schmuckherstellung. Und so kommen die ausstellenden Künstler aus der Designer-Branche: Armgard Stenzel, Gabriele Corbet (1934-2008), Dora und Hubert Kleemann, Beate Seelig. Mit Ausnahme des gelernten Buchdruckers Dietmar Seelig studierten alle an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle, um dann weitgehend in der Schmuckindustrie zu arbeiten.
Am bekanntesten in der Region dürfte Armgard Stenzel sein. So findet sich in der Ausstellung breit gefächert eine künstlerisch faszinierende Auswahl an Schmuck im weitesten Sinne. Eigenständig im künstlerischen Profil stehen ihr zur Seite Beate Seelig, Gabriele Cobet sowie Dora und Hubert Kleemann, letzterer überrascht mit Email-Skulpturen als geometrischen Zeichen. Sie finden sich variiert auf Emailtafeln in die Fläche übertragen wieder. Hier zeigt sich das eigentliche künstlerische Ereignis dieser Ausstellung mit dem Gosener Email-Arbeitskreis. Man trifft sich seit 1985 jährlich einmal zum Workshop in der Werkstatt Kleemann und im Emailierwerk Angermünde. Es geht nicht nur um gutes Kunstgewerbe. Es geht vielmehr um die Befreiung der Emailkunst vom Kunstgewerbe.
Das Wesentliche und Überraschende der Ausstellung ist die Emailmalerei. Dabei muss einem Missverständnis vorgebeugt werden: Nicht Bilder, Landschaften oder vielleicht auch Porträts werden mit Email „gemalt“. Vielmehr werden das Material und seine künstlerisch-ästhetische Eigenart zu eigenständig originellem Ausdruck eingesetzt. Da überzeugt vor allem Armgard Stenzel mit ihren Bild-Arbeiten und der künstlerischen Neugier, alle gestalterischen Facetten des Materials auszubreiten - mit unterschiedlichsten Farb- und Form-Strukturen, mit Schablonen und Sprühtechniken. Letztlich sind es abstrakte Formen, die den Betrachter die Eigenarten des Materials intensiv erleben lassen. Auch Beate Seelig versteht es in ihrem „Herbst ’90“, mit konsequent abstrakten Formen materialgerecht Inhalte zu vermitteln. Dort, wo das Viereck verlassen und die runde Form einer Schale gewählt wird, entstehen besonders ausgewogene und ausgesprochen schöne Lösungen wie bei Dietmar Seelig und Armgard Stenzel. Die klassische Emailtechnik mit Stegen zwischen den Farbfeldern zeigt nur Dora Kleemann mit ihren abstrakten Bäumen.
Arno Neumann